Inhalt
brand eins Neuland - Konzept und Idee
Der Hintergrund
Die Globalisierung hat die Welt schrumpfen lassen. China, Indien, Südamerika – das entlegenste Dorf ist heute nur noch einen Katzensprung von uns entfernt. Wo immer wir unsere Heimat haben – die Welt ist der Markt.
Die Globalisierung hat die Welt wachsen lassen. China, Indien, Südamerika mögen in greifbare Nähe gerückt sein. Der globale Handel, unterstützt durch intelligente Logistik und moderne Technologie, ist möglich, ja alltäglich geworden. Aber die Möglichkeiten bereiten auch Probleme. Denn nur, weil
wir heute jeden Zipfel der Welt erreichen können, sind wir noch längst nicht überall zuhause. Die Welt mag ein Markt sein – aber die Welt ist nicht der Kunde.
In einer Welt, deren Grenzen immer durchlässiger werden, verliert der Nationalstaat an Bedeutung. Seine Entscheidungen können den wirtschaftlichen Erfolg eines Landes nur noch begrenzt beeinflussen. Der Maßstab erfolgreicher Wirtschaft wird künftig von der globalen Entwicklung definiert – vor allem aber von den Netzwerken und Regionen eines Landes. Schon heute konkurrieren sie weltweit um Investitionen und Ressourcen, sie schmieden länder-übergreifende Allianzen und vermarkten sich und ihr spezifisches Kapital: Menschen, Wissen, Projekte und Ideen. Globalisierung kann die Unterschiede nicht verwischen. Die gewachsenen Strukturen, Kulturen und Gesellschaften. Das Gegenteil ist richtig: Globalisierung lebt von der Vielfalt. Von den Traditionen, die einen Wirtschaftsraum prägen. Von den Wurzeln, Eigenheiten, Erfahrungen und Kompetenzen der Menschen einer Region. Von ihrer Vergangenheit, ihrer Anpassungsfähigkeit und ihren Visionen. Globalisierung erfordert ein profundes Wissen über Länder, Provinzen und Regionen – und ein nicht minder profundes Wissen über die eigene Identität. Wer die Welt erobern will, muss wissen, wer er ist, wo er herkommt, was er kann und was ihn von anderen unterscheidet. Globalisierung braucht Selbst-Bewusstsein. Standort-Bestimmungen. Die eigene und die der anderen. Kurzum: Globalisierung ist nicht denkbar ohne Regionalisierung.
Die Idee
Wir meinen Deutschland zu kennen. Dass der Rheinländer anders tickt als der Ostfriese und wieder anders als der Saarländer, das setzen wir inzwischen als bekannt voraus. Aber sonst? Was wissen wir wirklich über die Mentalitäten und Regionen in unserem Land? Was macht sie aus, was macht sie stark, warum siedeln sich Branchen in bestimmten Wirtschaftsräumen an? Weshalb hat sich beispielsweise in Martinsried ein Biotech-Cluster gebildet? Wieso hat Jena die höchste Akademikerdichte Deutschlands? Und was bedeutet das eigentlich? Für die Bürger, Unternehmen, Hochschulen oder politischen Organisationen vor Ort?
Und was heißt es für all die anderen: für Investoren, Touristen, Kooperationspartner, Firmengründer, Studenten, Forscher oder Jobsuchende? Was müssen sie wissen über eine Region, in der sie arbeiten, leben, studieren, lehren, forschen, investieren, produzieren, verkaufen sollen — oder die sie auch einfach nur besuchen, kennen lernen und besser verstehen wollen? All das wollen wir herausfinden. Wir wollen uns auf die Suche nach den Unterschieden machen.
Das Heft
Wir werden Städte, Landstriche und Wirtschaftsräume in Deutschland bereisen und jedem Ort ein eigenes Magazin widmen. Dabei interessieren wir uns für Kunst, Kultur und Kurioses – aber nur am Rande: Wir wollen eine Region in erster Linie wirtschaftlich verstehen. Wir wollen die Ursprünge ergründen, um Gegenwart und Zukunft vor Ort begreifbar zu machen. Wir wollen Arbeitgeber kennen Seite 4 lernen und der Frage nachgehen, was sie in die Region trieb, was sie dort hält und was den Standort von anderen unterscheidet. Wir wollen kleine und große Unternehmen porträtieren, Hidden Champions aufspüren, neue Geschäftsmodelle entdecken, Innovationen bekannt machen, Geschichten von Menschen und Ideen erzählen, Protagonisten vorstellen, Netzwerke und Initiativen beschreiben, Bildungs- und Ausbildungsangebote prüfen, wirtschaftlich relevante Entscheidungen nachvollziehen, herausfinden was den Gründer seine Entscheidung für die Region treffen ließ oder den Bewerber am
Ende bewog, sein Jobangebot vor Ort auszuschlagen oder anzunehmen.
Auch die Zusammenhänge interessieren uns: Warum wächst eine Region, während die andere trotz vergleichbarer Größe und ähnlicher Strukturen schrumpft? Wieso ist das verfügbare Einkommen der Bürger in einer Region deutlich höher als das der Menschen in Vergleichsregionen? Wie erklärt sich die Eigenheimdichte? Wie die spezifische Bevölkerungsstruktur? Warum zieht es Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Investoren ausgerechnet an diesen Ort? Weshalb hat Region A mehr Hochqualifizierte, mehr Jugendliche mit Bildungsabschluss, mehr erwerbstätige Frauen, mehr Neugründungen,
weniger Abwanderung, weniger Arbeitslose und weniger kommunale Schulden als Region B? Glück? Zufall? Daran glauben wir nicht. Wir wollen es genau wissen. Herausfinden, was eine Region treibt. Um den Unterschied zu verstehen.
Deshalb wird jedes Heft einzigartig sein. Jede Ausgabe hat ihren eigenen Rhythmus, ihre eigene Melodie und ihren spezifischen Inhalt, der sich auch optisch niederschlagen wird. Auf den ersten Blick als Teil der brandeins-Familie erkennbar, wird jedes Heft dennoch seinen besonderen Charakter haben.
Zusammengenommen ergibt die Reihe einen Atlas der deutschen Wirtschaftsregionen.
Der Leser
Lesen wird das Heft jeder, der gerne gute Geschichten liest. Dieser Leser lebt und arbeitet zum Beispiel in der Region und ist neugierig, seine Heimat mit anderen Augen zu betrachten. Kann sein, dass er sich als Arbeitgeber empfehlen will, als Lieferant, als Partner. Vielleicht ist er zugezogen und will sich über Land und Leute und seine Kunden informieren. Oder er ist seit Generationen dort beheimatet, offen für Ideen und will neue Netzwerke knüpfen.
Der Leser kann auch ganz woanders leben, aber er hat Freunde, Familie, ein temporäres Projekt oder andere Anknüpfungspunkte zu dem Ort – er sucht den geeigneten Standort für sein Unternehmen, die Hochschule, an der er studieren möchte oder den möglichen neuen Arbeitgeber.
Vielleicht ist der Leser auch nichts von alldem. Vielleicht will er, genau wie der Leser von brand eins, einfach Ursachen und Hintergründe verstehen und spannende Geschichten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft erfahren. Dann weiß er, dass China, Indien, Europa und die USA jede Menge Interessantes, Neues und Aufregendes zu bieten haben – genau wie die Menschen im eigenen Land. All jene, die in Deutschland Wirtschaft und Wandel treiben.